Das brutalste Werk der Donaueschinger Musiktage 2015…

Brutal und sadistisch: Donaueschingen 2015

Brutal und sadistisch: Donaueschingen 2015

…stammte zweifellos von Mario de Vega. Zähnefletschende Hunde mit blutunterlaufenen Augen standen mir gegenüber, als ich die Donauhallen betreten wollte, mein Rucksack wurde mir weggerissen, ich wurde durch eine furchterregende Maschine geschoben…………

Ich hatte Glück – ich überlebte es. Aber woher konnte ich wissen, dass es anderen Besuchern nicht ganz anders erging?!

»Wissen Sie nicht, dass die Einfuhr von roten Schals in die Donauhallen verboten ist?!??« höre ich den Securitymann einen Gast anblaffen. »Na, Sie werden schon sehen!!! Kommen Sie mit!«

Gnadenlos werden die Besucher bis auf die Unterhosen ausgezogen und einem Kreuzverhör unterzogen: »Haben Sie jemals die Auflösung des SWR-Orchesters gutgeheißen oder gebilligt??? Kennen Sie Verantwortliche aus der SWR-Führungsriege oder haben Sie in den letzten sechs Monaten Kontakt zu Personen gehabt, die Kontakt zur SWR-Leitungsebene hatten?!? Haben Sie sich jemals abfällig über Armin Köhler geäußert oder bestritten, dass sein Geist in jedem Ton dieses Festivals wohne?!??«

Als ein Besucher bejaht, wird er von fünf Sicherheitsleuten ausgepeitscht und mit Fürstenberg-Bier abgefüllt, bis er sich erbricht. Zwei koreanische Studentinnen stehen kichernd daneben. Als ihnen ihr Smartphone abgenommen wird, brechen sie heulend zusammen.

Aus dem Nachbarzimmer dringen erstickte Schreie. Trond Reinholdtsen wird gerade mit Daumenschrauben gefoltert. Bei jeder Drehung muss er „Danke Armin Köhler“ singen. Aber er hat es noch gut: zwei Türen weiter findet die Performance „Killing Filidei“ statt – als letzten Coup hat der verblichene Festivalleiter Johann Sebastian Bach für einen Gastauftritt gewinnen können. Der Italiener überlebt die fünfstimmige Pistolenfuge nicht länger als drei Takte.

Kaum ist das Stück verklungen, rollt aus dem Zimmer »Französische Revolution« ein blutiger Kopf – ein Prins ist von einem Beil hinweggefegt worden. Schreie der Verzückung hallen durch den Raum: Mark Andre hat religiöse Visionen! Vom Himmel donnert es »Ich bin der HErr, der dich aus Frankreich geführt hat, der Gott Bachs, der Gott Bruckners, der Gott Messiaens! Ich habe euch Menschen die Wortarten geschenkt, aber Mir missfällt, dass du die Substantive, Verben und Adjektive missachtest und nur die Präpositionen benutzt, die geringste aller Meiner Erfindungen! ‚Über‘ – pah, dass Ich nicht lache!!! Schätzt du die Heilige Schrift, diese edle Gazelle der Dichtkunst, so niedrig?! Wisse, es ist Mein Wille, dass du fürderhin all deine Stücke nur noch mit Substantiven benennst, KREUZ und ERLÖSUNG und BIBEL!!!« – an dieser Stelle bricht Mark Andre schluchzend zusammen, Blut strömt aus seinen stigmatisierten Händen, Sicherheitsleute tragen ihn weg………………

*

Wie ich schon sagte: Dass uns Mario de Vega all dies vorenthalten hat, finde ich wirklich brutal.

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