Ab heute bin ich älter als Schubert je wurde

Jungspund: Franz Schubert

Jungspund: Franz Schubert

Zwischen dem 31. Januar 1797 und dem 19. November 1828 liegen 11614 Tage. Zwischen meinem Geburtstag und dem heutigen Tag liegen 11615 Tage. Das bedeutet: Am heutigen wunderschönen, sonnigen Freitag im Juni 2015 habe ich Franz Schubert übertroffen!!!

Zumindest was die Anzahl der Lebenstage betrifft.

Was die Anzahl der Kompositionen betrifft, ist mir der Kollege aus Wien freilich weit voraus. Was den beruflichen Erfolg angeht, sieht es hingegen eher umgekehrt aus – schließlich habe ich schon etliche groß besetzte Kompositionen außerhalb meiner Heimatstadt uraufgeführt, was Schubert Zeit seines Lebens nicht zustandebrachte.

Es waren damals aber auch andere Zeiten – ich mache ihm das nicht zum Vorwurf. Dass ein Komponist mit 31 Jahren schon berühmt wäre, war jedenfalls weder damals noch heute Usus. Im Gegenteil: Wer mit 31 Jahren schon allgemein bejubelt wurde, war nicht selten zwanzig Jahre später weg vom Fenster.

So gesehen hat Schubert das schon richtig gemacht. Wäre er 86 Jahre alt geworden (d.h. wie Wagner im Jahr 1883 gestorben), hätte er seine letzten Lebensjahre womöglich in Ruhm und Reichtum verbracht und wäre niemals als Prototyp des unverstandenen „Erst-wenn-er-tot-ist-ist-er-gut“-Komponisten durchgegangen. Und wir hätten ein Klischee weniger. Passt schon, Franz.

Was übrigens das Klischee selbst betrifft: In der Realität gibts das kaum. Die meisten klassisch-unverstandenen Komponisten sind einfach sehr jung gestorben. Was es allenfalls gab, sind Komponisten, die zu Lebzeiten zwar bekannt und geschätzt waren, deren eigentliche musikhistorische Bedeutung aber erst post mortem erkannt wurde. Selbst der erfolgreiche, polarisierende Wagner wurde in seiner ganzen Wucht erst in den 1890ern verstanden. Mahler war vor allem als Dirigent, Schumann vor allem als Feuilletonist berühmt. Das vorgeblich verkannte Genie Mozart hingegen war ein erfolgreicher und vielgespielter junger Künstler, der als Mittdreißiger schon erstaunlich viel Anerkennung fand.

Ihn zu überholen ist für mich jetzt die nächste Wegmarke. Die 10000-Tage-Marke habe ich schon vor ein paar Jahren, mit 27, erfolgreich geknackt (was auch erklärt, warum Popstars meistens mit 27 sterben – sie kommen einfach mit der Fünfstelligkeit nicht klar!) – Und wenn ich Mozart erledigt habe, geht es weiter in Richtung Mendelssohn und Schumann, anschließend nehme ich Beethoven und Bach ins Visier, danach Liszt und Richard Strauss, zuletzt Elliott Carter…

Und wenn ich sie schließlich alle übertroffen habe – dann, ja dann werde ich auch mit gutem Gewissen sterben können!

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