Kolibri killt Greenpeace: it’s the aesthetics, stupid!

Kolibri (r.), Greenpeace (l.)

welches Bild ist schöner?

Man müsste überhaupt nicht wissen, dass die Greenpeace-Aktivisten die Linien von Nazca beschädigt haben, während sie den Boden mit ihrer Reklamebotschaft pflasterten.

Man müsste überhaupt nicht wissen, dass die Umweltbonzen die Peruaner zutiefst erbost haben, indem sie ihr Nationalheiligtum schändeten.

Man muss sich einfach nur mal den ästhetischen Kontrast zwischen den beiden Bildern anschauen, um zu wissen, was für Vollidioten da am Werk waren.

Rechts eine hermetische, rätselhafte Zeichnung, die über viele Jahrhunderte entstanden ist, über Jahrhunderte unentdeckt blieb und (sofern Greenpeace nicht öfter vorbeikommt) noch jahrhundertelang bestehenbleiben wird. Links eine plakative, eindimensionale Werbebotschaft, schnell produziert, schnell rezipiert und schnell wieder abgeräumt.

Die gelben Versalien, die hohlen Werbephrasen, der Comic-Sans-Serif-artige Schriftzug des Greenpeace-Logos könnten in keinem größeren Gegensatz stehen zu den mysteriösen, langfingrigen, unentwirrbaren Linien, die, wie man hört, einen Kolibri darstellen sollen – aber wer wüsste, was er uns zuzwitschern will?

Greenpeace macht sich die Wegwerf- und Kommerzlogik derer, die es angeblich bekämpft, voll und ganz zu eigen. Auf dem Wüstenboden könnte genausogut auch „Coca-Cola“ oder „Microsoft“ stehen. Mit dem Unterschied, dass Coca-Cola und Microsoft sich offen und ehrlich als profitorientierte Unternehmen präsentieren, denen es um maximale Effizienz im Hier und Heute geht. Greenpeace dagegen redet von Nachhaltigkeit, ohne Respekt vor irgendeiner anderen Instanz zu haben als der eigenen Großartigkeit.

So könnte ein Kolibri wohl einen Großkonzern lehren. Die von ihren eigenen Allmachtsphantasien berauschten Umweltpaschas schrumpfen im optischen Vergleich mit dem kleinsten aller Vögel zu Zwergen.

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