Programmhefttexte

Veitstanz (2013)Heroes of Feedback (2012)Teufelsthriller (2011/12)Zirkelspielchen (2011)Tiefflug (2011)NeandertalerRocketUniversalmusik (2009/10)Best Schumann Ever (2009/10)sacred river A L P H ’s meanders mazy mad & measureless (2007/09)Indra Medusa Caligula 0 (2008/09)Siebenkreiswerk (2008)Die Sprache der Jongleure (2007/08)Indra Medusa Caligula I (2007)STUPOR MUNDI UNCONCEALED (2006)Der Meister der Geister (2004/05)


Veitstanz (2013)

Der Veitstanz hat unter den Gesellschaftstänzen dieselbe Stellung wie der Piranha unter den Schmetterlingen. Genauso wie dieser keine bunten Flügel hat, tanzt man jenen nicht im Fünfachteltakt, wie den Wienerwalzer, und auch nicht im Neunzehnzweiundachtzigsteltakt, wie den Falklandtango. Sein Metrum ist ein Bruch mit π im Zähler und Unendlich im Norden, aber selbst das ändert sich jeden Tag. Eine typische Veitstanz-Pirouette erkennt man unter anderem an wildem Geschrei, Fußtritten, gebrochenen Nasenbeinen, Schaum vor dem Mund und graziler Anmut beim Rollen der Augen. Aber es gibt auch tausende andere Varianten, deren Einstudierung schon so manchen Eleven in den Wahnsinn getrieben hat. Der Veitstanz zählt zu den choreophagen Tänzen: er verleibt sich andere Tänze ein und deformiert ihre Rhythmen bis zur Unkenntlichkeit. Man sagt, jedesmal, wenn ein professioneller Veitstänzer versuche, Walzer zu tanzen, tanze im Gegenzug Johann Strauss im Grab den Veitstanz. Verwunderlich ist, dass dieser lodernde, leidenschaftliche, ja nachgerade letale Tanz nur wenige Spuren in der Musik hinterlassen hat. Die meisten Veitstanz-Kompositionen enden nach maximal zwei Minuten in wirrem Gekritzel und zerrissenem Notenpapier. Mein Anliegen war, das schleunigst zu ändxefgygfrzjhpkl

Mehr zum Stück (Aufnahme, Besetzung, Dauer)


Heroes of Feedback (2012)

Heroes of Feedback, der Duo-Shooter der nächsten Generation, entführt dich in ein rätselhaftes, gefährliches Paralleluniversum. Die Welt ist von tödlichem Feedback bedroht. Überall stehen Killerlautsprecher, die jeden Moment explodieren können. Alles droht in einer akustischen Sintflut zu versinken.
Du allein kannst die Katastrophe verhindern. Doch diese Aufgabe hat es in sich. Denn die Regeln, denen die todbringenden Lautsprecher gehorchen, ändern sich von Sekunde zu Sekunde. Und deine Waffen sind schwach: nur mit ein paar Trommeln und einer Trompete ausgerüstet ziehst du in den Kampf. Darum musst du höllisch schlau und schnell sein. Ein einziger Moment der Unaufmerksamkeit, und alles ist verloren.
Wirst du hart genug sein, um den Killerlautsprechern Einhalt zu gebieten? Wirst du es schaffen, die Welt vor dem Feedback zu retten?

Mehr zum Stück (Trailer, Besetzung, Dauer)


Teufelsthriller (2011/12)

Eines Nachts erschien mir im Traum Tartini. „Du denkst wahrscheinlich, ich sei Tartini“, sagte Tartini, „aber ätsch, ich bin der Teufel.“ – Da lachte ich: „Ha Ha, natürlich bist du Tartini!“ – Tartini wurde sauer und wollte mir beweisen, dass er doch der Teufel sei. Er suchte seine Geige, um mir irgendeinen alten Schmachtfetzen vorzuspielen, den er mal verbrochen hatte. Dummerweise gabs in dem Raum aber nur ein Klavier. So versuchte er es darauf, aber leider konnte er überhaupt nicht Klavier spielen. Da lachte ich: „Ha Ha, nun sehe ich ganz klar, dass du bloß Tartini bist!“ – Und Tartini stampfte verärgert mit dem Fuß auf den Boden. Das war mein Ha Ha Erlebnis. Als ich morgens aufwachte, machte ich aus einem der beiden H’s ein Klavierstück, das viel besser wurde als Tartinis Stümperei. Das spielte ich ein paar Tage später dem Teufel vor, der war ganz begeistert. Daraufhin baute ich das andere H in den Titel von Tartinis Schmachtfetzen ein. So entstand der Teufelsthriller.

Mehr zum Stück (Besetzung, Dauer, Aufführungen)


Zirkelspielchen (2011)

Das verteufelte am Zirkel ist die Spitze. Dass sie uns verletzt, nehmen wir gerne in Kauf, weil der Zirkel gar so schöne Kreise zieht. Blut gegen Schönheit! Was wäre auch die Alternative? Krumme Kreise mit der Hand malen, dafür unverletzt bleiben? Ihr Langweiler! Hört doch Mendelssohn!
Aber das ist nur die erste von des Zirkels Teufeleien. Ich will Euch die zweite verraten. Der Spießer, der zieht schön einen Kreis, ringsrum, 360 Grad, und dann legt er den Zirkel beiseite und freut sich seines Werks (mei! so ein schöner Kreis! entzückend! und allseits gute Nacht, wo ist denn meine Schlafmütze??)
Wir aber, die die Essenz des Kreises suchen, drehen den Zirkel zehnmal, hundertmal, tausendmal rum. Denn es geht uns nicht um den Kreis: blöd wären wir. Es geht ums Kreisen. Ums Sich-Runden. Um den Exzess der Vollkommenheit. Und dann zerreibt die kreisende Mine das Papier, der endlos-ewige Kreis frisst sich durchs Material. Rasende Schönheit siegt über tumbe Masse.
Und graues, staubendes Blut ergießt sich zentifugal in die Weiten. Wollüstig baden wir darin wie einst der kühne Siegfried in des lieblichen Gretchens Achselschweiß. Was wäre auch die Alternative? Sich gar nicht mehr waschen? Ihr Spinner! Hört doch zu!

Mehr zum Stück (Aufnahme, Besetzung, Dauer)


Tiefflug (2011)

Wer im Tiefflug über Dresden, Bagdad oder Samarkand rast, der ist todgeweiht, oder er ist ein Engel. Die Kompression der sich aufreckenden Kirchtürme, Blütenblätter, Sehnsüchte, Fensterscheiben, Großväter: die Verdichtung der ganzen grünschillernd buntgestreiften Rauschewelt zwischen die festgespannten Zangenarme einer Viertelstunde: das muss den Abenteurer töten oder unsterblich machen.

Prokrustes war ein Held, und General Dostum war ein Held. Ihre Kampfjets flogen tiefer, riskanter, brutaler als alle. Und sie überlebten.

Wir sind keine Krieger. Die buntwuchernden Blüten zerreißen wir nicht, sondern lassen uns bestürzen von ihrem sekundenkurz vorbeirauschenden Duft. Das Fensterglas, welches die Überwinder in Form schneiden, blitzt uns sonnenspiegelnd ins forteilende Auge.

Es gibt keine Rettung aus dem Tiefflug als die Rettung. Wir sind todgeweiht. Wir sind Engel.

Mehr zum Stück (Audioausschnitt, Besetzung, Rezensionen)

Version française

Celui qui survole à basse altitude au-dessus de Dresde, Baghdad ou Samarcande, est voué à la mort, ou est un ange. La compression des clochers, des pétales de fleurs, des désirs, des hublots, des grands-pères: la densification de ce monde frémissant verdoyant, rayé coloré, coincé entre les manches d’un quart d’heure : cela doit tuer l’aventurier ou l’immortaliser.

Procuste fut un héros et le général Dostom fut un héros. Leurs avions de chasse volèrent plus bas, plus hasardeusement, plus brutalement que tous. Et ils survécurent.

Nous ne sommes pas des guerriers. Les pétales de fleurs foisonnantes, nous ne les déchirons pas, nous nous laissons bouleverser par leur bref parfum passant tourbillonnant. La vitre que découpent les vainqueurs étincelle, reflétant le soleil, dans notre œil fuyant.

Il n’y a de rédemption du vol à basse altitude que la rédemption. Nous sommes voués à la mort. Nous sommes des anges.

(Traduction: Claire Demonchy/Aliénor Dauchez)


NeandertalerRocketUniversalmusik (2009/10)

Der Neandertaler führt ein gesellschaftliches Nischendasein. Frauen, Politikern und Sodomisten gesteht man heute die Gleichberechtigung zu, dem Neandertaler nicht. Dabei hat er eine so reiche Kultur. Grandios und komplex ist seine Musik – und wenn sie aus temperierten Intervallen bestünde statt aus Grunzlauten, niemand würde sich noch für Bach und Beethoven interessieren. Sich zum Affen zu machen, diese Errungenschaft moderner Performancekunst, ist ihm in die Wiege gelegt. Seine Schallorgane stellen die Apollo-11-Mondrakete in den Schatten. Die Kraft seiner Pranken lässt galaktische Kollisionen wie Liebkosungen erscheinen.

Worauf warten wir noch? Heute werden selbst Johann Gottlieb Kronbacher und Wenzel Fürchtegott Salzstock wiederentdeckt: Die NeandertalerRocketUniversalmusik ist längst überfällig!

Mehr zum Stück (Trailer, Text, Dauer)


sacred river A L P H ’s meanders mazy mad & measureless (2007/09)

Eines der ungewöhnlichsten und gleichzeitig sprachgewaltigsten Gedichte der englischen Romantik ist Samuel Taylor Coleridges „Kubla Khan“.

In Xanadu did Kubla Khan / A stately pleasure-dome decree: / Where Alph, the sacred river, ran /
Through caverns measureless to man / Down to a sunless sea.
– Dies die ersten Verse, in denen das zentrale Motiv der Unermesslichkeit ebenso auftaucht wie der sich durch dieselbe hindurchmäandrierende heilige Fluss A L P H: Five miles meandering with a mazy motion / Through wood and dale the sacred river ran, / Then reached the caverns measureless to man, / And sank in tumult to a lifeless ocean.

Die Mäander des heiligen Flusses durch Wälder, Täler und Höhlen von übermenschlichen Ausmaßen: Mäandrieren als Hindurchschlängeln, als virtuos-souveränes Spielen, Täuschen und Zaubern im Gefüge der Motive und Elemente. Und dabei stets der Zug ins Riesenhafte, in die measurelessness, in die Überhöhung, die jedoch sofort in ihr Gegenteil, in die Übertreibung, die Karikatur, die Fratze, die Bloßstellung umschlagen kann – Übermenschlichkeit und das ihr nicht Gewachsensein als zwei Ansichten einer Münze…

Dies alles ward Musik: Could I revive within me / Her symphony and song…

Mehr zum Stück (Audioausschnitt, Besetzung, Dauer)

Version française

L’un des poèmes les plus originaux et les plus tordus du romantisme anglais, „Kubla Khan“, a été écrit par Samuel Taylor Coleridge.

In Xanadu did Kubla Khan / A stately pleasure-dome decree: / Where Alph, the sacred river, ran / Through caverns measureless to man / Down to a sunless sea.

Ainsi commence le poème, on y voit apparaître le motif central de l’incommensurabilité à travers laquelle serpente la rivière sacrée A L P H : Five miles meandering with a mazy motion / Through wood and dale the sacred river ran, / Then reached the caverns measureless to man, / And sank in tumult to a lifeless ocean.

Les méandres de la rivière sacrée, à travers des forêts, des vallées et des caves aux dimensions surhumaines : un faufilement sinueux, un jeu souverain et virtuose, parfois trompeur, un envoûtement par l’agencement des motifs et des éléments.

Dans le même temps, une lancée vers le gigantesque, le measurelessness, vers l’apothéose, qui, pourtant, peut faire volte-face et basculer dans l’exagération, la caricature, la grimace, le ridicule – le surhumain et ce qui ne peut pas s’y mesurer comme les deux revers d’une même médaille…

Tout cela devint musique : Could I revive within me / Her symphony and song…

(Traduction de l’Allemand: Antoine Daurat)


Siebenkreiswerk (2008)

Die Posaunen von Jericho und die Glocken von Wladimir schallen offen und laut in die Lande, doch die Weisheit der Hermetiker vollzieht sich verborgen in Zahlen, Kreisen und Werken.

So lehrt die smaragdene Tafel: Alles entstand im Sechstagewerk. Ein Tausendgeisterwerk war der Tempel des Salomo. Die Kreise des Archimedes waren sein Todeswerk. Ein Siebenheldenwerk war der Zug gegen Theben. Sieben Meere sind das Bollwerk des Erdkreises.

Posaunen und Glocken vergehen. Wenn der Schall taub wird, wohin soll er schallen?

Wer Ohren hat zu hören, der höre das Siebenkreiswerk.

Mehr zum Stück (Aufnahme, Besetzung, Rezensionen)

Version française

Les trompettes de Jéricho et les cloches de Vladimir sonnent clairement et ouvertement de par les pays, alors que la sagesse des hermétistes s’exprime secrètement par des nombres, des cercles et des œuvres.

Ainsi enseigne la Table d’émeraude: tout se forma pendant l’œuvre des six jours. Une œuvre aux mille esprits fut le Temple de Salomon. Les cercles d’Archimède furent son œuvre funeste. L’œuvre de sept héros fut la campagne contre Thèbes. Les sept océans sont l’ouvrage défensif de la sphère terrestre.

Les Trompettes et les cloches passeront. Si le son s’assourdit, où sonnera-t-il?

Celui qui a des oreilles pour entendre, qu’il entende l’Œuvre des Sept Cercles: le Siebenkreiswerk.

(Traduction de l’Allemand: Antoine Daurat)


Die Sprache der Jongleure (2007/08)

Als weiland ein großer deutscher Staatsmann sein außenpolitisches Treiben als „Spiel mit den fünf Bällen“ charakterisierte, da ahnte er nicht, dass man in späteren Zeiten noch viel größere Kunststücke vollbringen würde: Erzählungen vom Jonglieren mit fünf Bällen, zwei kostbaren Vasen, einer Stoßstange, zwei Wolken und vier Behauptungen hätten ihm damals wohl nicht viel mehr als ein abschätziges Lächeln abgenötigt. Nun, es ist ja zugegebenermaßen ein solches Sammelsurium auch nicht eben ideal für den landläufigen Jonglagisten – Vasen gehen leicht kaputt und Stoßstangen sind es meistens schon, Wolken lassen sich nicht gut werfen und Behauptungen sind meist von ebenso luftiger Konsistenz – da wird’s der Artist wohl auch heute noch vorziehen, seine Kunstfertigkeit an fünf (oder meinetwegen auch hundert) Kugeln zu demonstrieren, gesetzt nur sie seien griffig & handlich & alle gleich groß. Drum hatte Bismarck Erfolg mit seiner Politik und heutzutage geht alles in den Graben.

Also, lieber Wort-Jongleur, zurück zu klassizistischem Ebenmaß? Da sei Gott vor: Dann lieber in den Graben.

Mehr zum Stück (Aufnahme, Text, Besetzung): LangversionKurzversion


STUPOR MUNDI UNCONCEALED (2006)

Stupor mundi, das „Staunen der Welt“ – dies ist die Bezeichnung für Kaiser Friedrich II von Hohenstaufen.

Doch zwei Jahrhunderte früher, da ruft bereits sein Vorgänger das erstaunte Verwundern des Erdkreises hervor, die mirabilia mundi: Kaiser Otto III, der visionärste Herrscher des Mittelalters.

Er sprengt, obstupefaciens mundum, die Fesseln der Machbarkeit.
Sein Ziel: Die Wiedererstehung des Römischen Reichs.
Sein Ziel: Die Errichtung der hierokratischen Weltmonarchie.
Bei Nacht und Nebel steigt er hinab in die Gruft Karls des Großen.
Bei Nacht und Nebel steigt er wieder hinauf, bewehrt mit kaiserlicher Macht.
Er bezwingt die Widersacher, beruft die Gleichgesinnten:
Den größten Gelehrten seiner Zeit: Gerbert von Aurillac.
Den größten Heiligen seiner Zeit: Adalbert von Prag.
Den größten Musiker seiner Zeit: Selimbert von Salamanca.

Dieser ist der Sänger der kaiserlichen Verherrlichung.
Dieser gibt uns Kunde von der Erstaunlichkeit des fesselsprengenden Herrschers.
Dieser entreißt ihn uns der Verborgenheit – he is the one who unconceals the Emperor, spricht der Brite.

In diesem Sinne: STUPOR MUNDI UNCONCEALED.

Mehr zum Stück (Aufnahme, Besetzung, Dauer)


Der Meister der Geister (2004/05)

Der Meister der Geister –
Ins Finstere weist er,
Die Düsternis preist er
Je schwärzer, je dreister,
Durchs Schattenreich reist er,
Gespenster umkreist er,
Drum heißt er der Meister der Geister!

Mehr zum Stück (Besetzung, Dauer, Aufführungen)