Hoch auf dem gelben Taxi

Kürzlich durch die verschneite brandenburgische Landschaft kutschiert werdend, fragte ich mich, ob die Tatsache, dass man in Deutschland im Taxi vorne, in Frankreich hingegen hinten Platz nimmt, womöglich ein Erbe der deutschen Romantik sein könnte, welche ihre sehnsüchtig frohgemut reisenden Helden bekanntlich hoch oben auf dem gelben Wagen beim Schwager vorn sitzend platzierte (und nicht etwa wie den Philister hinten im Coupé!), auf dass sich der Dichter Wind und Wetter und dem einfachen Volke aussetzen konnte, den Elementargewalten mithin, welchselbigen sich die deutsche Seele ohnehin immer so seelentief verwandt fühlte, ganz anders als dem welschen, verzärtelten savoir-vivre, welches man selbstredend nur verachten konnte, oh, Trüffel- und Weinsorten auseinanderhalten könnend, aber nicht den rauhen, herben Wind zwischen den Nüstern spürend und nicht des Kutschers ungehobelter, aber doch so echter und reicher Sprache lauschend, obgleich es mir trotzdem lieber gewesen wäre, die Taxifahrerin hätte nicht so viel gesabbelt, sondern mich geradewegs zum Ziel gebracht, stattdessen fuhr sie mich irgendwo ins Nirgendwo in der brandenburgischen Pampa, weil der von vornherein sehr windig aussehende Navi schließlich ganz ausgefallen war und der Autoatlas kurz hinter Bernau aufhörte und sie die Ortskundeprüfung offensichtlich geschwänzt hatte, und anstatt ein sehnsüchtiges Liedchen von Waldhörnern im stillen Lande zu pfeifen, habe ich lieber geflucht und sie angeherrscht, dass ich jetzt womöglich meine Gage nicht bekomme………… oh, ich elender Philister……………

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