Hoch auf dem gelben Taxi

Kürzlich durch die verschneite brandenburgische Landschaft kutschiert werdend, fragte ich mich, ob die Tatsache, dass man in Deutschland im Taxi vorne, in Frankreich hingegen hinten Platz nimmt, womöglich ein Erbe der deutschen Romantik sein könnte, welche ihre sehnsüchtig frohgemut reisenden Helden bekanntlich hoch oben auf dem gelben Wagen beim Schwager vorn sitzend platzierte (und nicht etwa wie den Philister hinten im Coupé!), auf dass sich der Dichter Wind und Wetter und dem einfachen Volke aussetzen konnte, den Elementargewalten mithin, welchselbigen sich die deutsche Seele ohnehin immer so seelentief verwandt fühlte, ganz anders als dem welschen, verzärtelten savoir-vivre, welches man selbstredend nur verachten konnte, oh, Trüffel- und Weinsorten auseinanderhalten könnend, aber nicht den rauhen, herben Wind zwischen den Nüstern spürend und nicht des Kutschers ungehobelter, aber doch so echter und reicher Sprache lauschend, obgleich es mir trotzdem lieber gewesen wäre, die Taxifahrerin hätte nicht so viel gesabbelt, sondern mich geradewegs zum Ziel gebracht, stattdessen fuhr sie mich irgendwo ins Nirgendwo in der brandenburgischen Pampa, weil der von vornherein sehr windig aussehende Navi schließlich ganz ausgefallen war und der Autoatlas kurz hinter Bernau aufhörte und sie die Ortskundeprüfung offensichtlich geschwänzt hatte, und anstatt ein sehnsüchtiges Liedchen von Waldhörnern im stillen Lande zu pfeifen, habe ich lieber geflucht und sie angeherrscht, dass ich jetzt womöglich meine Gage nicht bekomme………… oh, ich elender Philister……………

Das menschenfressende, mongolische Ungeheuer

(…Nachtrag zum letzten Artikel…)

Furchterregende kreatürliche Urgewalten werden gerne mit bestimmtem Artikel genannt:

DER Golem, DER Yeti, DER Minotaurus, DER Schimmelreiter, DER Wolpertinger.

Nun präsentiert uns die ZEIT einen weiteren grässlichen Dämon:

Der Putin

DER PUTIN!! Dieser heimtückische feuerspuckende Geist aus der asiatischen Steppe, dem jeden Morgen drei kleine Amerikanerkinder geopfert werden!

Zuletzt wurde dieser östliche Dämon übrigens 1919…

Der Mongole

…und 1953 gesehen:

Der Mongole II

Typologie der Autokraten

Sadist

Sadist

Rudy Giuliani durfte – so hört man – nicht Außenminister werden, weil er sich selbst zu laut um diesen Posten beworben hatte. Donald Trump mag keine Leute, die sich selbst in den Vordergrund spielen. Eh klar.

Erich Fromm beschreibt in seiner „Anatomie der menschlichen Destruktivität“ den „sadistischen Menschentypus“. Stalin ist für ihn der Prototyp. Der sadistische Typus weidet sich daran, andere Menschen nach Belieben demütigen und erhöhen zu können. Für ihn gelten keine Regeln, sein Umfeld lebt in permanenter Unsicherheit. Die kleinste Verfehlung kann den Gulag bedeuten, oder sie kann großmütig vergeben werden, ganz wie es dem Sadisten beliebt. Er allein entscheidet. Er ist an kein Gesetz und keine Konvention gebunden. An dieser destruktiven Macht berauscht er sich.

Soweit ich sehe, entspricht Donald Trump genau diesem Typus – in einer Offenheit, die bisher selten war. Seine Kabinettsbildung ist nicht umsonst mit einer Castingshow verglichen worden. Mitt Romney musste sich erst lobend über Trump äußern, bevor er fallengelassen wurde. „We convert him before we kill him“ (1984). Trump ist nicht zuletzt aufgrund seines öffentlich zelebrierten Sadismus gewählt worden – von Menschen, die selbst so oft gedemütigt wurden, dass sie sich über jede Demütigung anderer – insbesondere erfolgreicherer – Menschen freuten. Ein Egalitarismus der Ungerechtigkeit. Wenn die Welt schon beschissen ist, dann bitte für alle.

Sind alle Autokraten Sadisten? Ich glaube es nicht – jedenfalls nicht in diesem Ausmaß. Bei Orban, Putin und Erdogan sind recht andere Triebkräfte im Vordergrund. So dürfte es sich lohnen – am Ende eines Jahres, in dem die Weltpolitik mehr und mehr von Autokraten bestimmt wurde – eine Typologie dieser Politiker zu entwerfen.

ita

ita

Am ähnlichsten zu Trump scheint mir ein Politiker, den man erwarten dürfte – Horst Seehofer –, und ein anderer, mit dem man hier bestimmt nicht rechnet: Papst Franziskus.

Nun, okay. Selbstverständlich gibt es sehr signifikante Unterschiede zwischen Trump und Franziskus – am wichtigsten der, dass Franziskus im Gegensatz zu Trump Ideale und Ziele hat, die nicht seine eigene Person betreffen –, aber es gibt auch überraschende Gemeinsamkeiten.

Die Popularität beider beruht zu einem großen Teil darauf, dass sie sich mit dem Establishment anlegen (obwohl sie ihm selbst entstammen). Beide halten sich an keine Regeln und Konventionen. Beide kanzeln ihre Untergebenen regelmäßig in der Öffentlichkeit ab. Innerkirchlich herrscht Franziskus rigider als die meisten seiner unmittelbaren Vorgänger – er löst Orden per Handstreich auf (was es seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr gegeben hat), schickt Priester ins Exil und stellt Generalobere unter Hausarrest, wie es ihm beliebt. Wie Trump kann er mit Kritik schlecht umgehen, was ihn – wie Trump – aber nicht hindert, von Zeit zu Zeit auch Kritiker in sein Gefolge zu berufen, wenn es ihm gefällt.

Auch in ihrer Sprache sind sich die beiden erstaunlich ähnlich: eine bestimmte Art des tautologischen Satzbaus findet man sowohl in den Spontanpredigten des Papstes wie in den Tweets des designierten Präsidenten: die nachgeschobene Bestätigung des bereits gesagten. Ja, das trifft es gut. Ich finde, er ist ein großartiger Mann. Ein wirklich großartiger Mann. Aber es gibt Leute, die wollen es nicht verstehen. Ja, leider gibt es diese Leute. Ich habe ihnen gesagt: Wartet ab. Das habe ich ihnen damals gesagt. Aber sie haben es nicht verstanden. Sie haben es niemals verstanden. Die Aussage ist null, der Fokus legt sich umso stärker auf den Urheber des Sprechakts. Ich, Trump, ich, Franziskus, habe das gesagt. Ja, das habe ich gesagt. Nicht der Inhalt, sondern das Charisma des Sprechers entscheidet über die Wahrheit einer Aussage.

Würstchen

Würstchen

Gehen wir zu Erdogan. Er ist trumpähnlicher als Orban oder Putin, weil sich auch bei ihm alles um die eigene Person dreht. Er ist das fleischgewordene Ressentiment, der Underdog, der es irgendwie nach oben geschafft hat und der fürderhin jedem an die Gurgel geht, der ihn daran erinnert, ein Underdog zu sein. Erdogan geht es – wie Trump – um die Macht an sich, allerdings geht es ihm nicht um das Spiel damit, nicht darum, die Regeln nach Belieben ändern und die Menschen verunsichern zu können. In Erdogans Idealstaat ändern sich keine Regeln. Die Regeln sind einfach und klar: wer dem Sultan ins Gesicht spuckt, wird enthauptet. Alle müssen gehorchen. Erdogans Ehrbegriff hat sich nicht verändert seit der Zeit, wo er als Zwölfjähriger die Hinterhofgang anführte. So gesehen, ist Erdogans Welt viel simpler als die von Trump oder Franziskus. Es gibt kein Spiel, keine Doppelbödigkeit, keinen Sadismus, sondern nur Ehre und Minderwertigkeitskomplexe. Mehr fällt mir zu Erdogan nicht ein.

Lauscher

Lauscher

Putin würde im Gegensatz zu Erdogan nie auf die Idee kommen, einen deutschen Satiriker zu verklagen. Putin unterscheidet sich von Erdogan und Trump dadurch, dass es recht wenig um seine eigene Person zu gehen scheint. Anders als die beiden hat er sich nicht in sein Amt gedrängt – es war eher der Zufall, der ihn auf diese Position katapultiert hat. Einmal oben angekommen, hat er freilich die Zügel fester angepackt als erwartet – und das hat durchaus seine Gründe.

Was bei Trump der Sadismus ist und bei Erdogan das Ressentiment, ist bei Putin der Machtverlust Russlands. Das Trauma, das sein politisches Handeln bis heute begründet, ist der Zerfall der Sowjetunion. Dem Kommunismus hat er nie nachgetrauert, die Schrumpfung des geopolitischen Einflussbereichs Moskaus hingegen hat er bis heute nicht verwunden. Wenn ich mich nicht irre, hat er das Ende der UdSSR sogar als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Die beiden Maximen seiner Politik sind daher: 1. die Erhaltung bzw. Vergrößerung des russischen Einflussbereichs, sowie 2. die größtmögliche Stabilisierung der russischen Innenpolitik.

Die Mittel zur Erreichung dieser Ziele liefert ihm seine geheimdienstliche Sozialisierung. Und hier kommen wir ironischerweise wieder in die Nähe von Donald Trump. Was Putin mit dem künftigen US-Präsidenten verbindet, ist die Freude am Spiel. Bei Trump ist es ein sadistisches Katz-und-Maus-Spiel, bei Putin ein geheimdienstliches Verwirrspiel. Beide setzen auf Desinformation, lediglich dass Putin logischer und damit berechenbarer desinformiert als Trump, da seine Desinformationen einem objektiv bestimmbaren Ziel, Trumps Desinformationen hingegen seiner subjektiven psychologischen Ergötzung dienen. Mehr spiel- als wertgeleitet, habe beide kein Problem mit Ungerechtigkeiten und Demütigungen, beide lassen Menschen bei Bedarf einfach fallen. Bei Putin folgen solche Opferungen eher der Logik des Schachspiels, bei Trump jener der Castingshow. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass die westlichen Medien fast durchweg Trump eher als Spielstein in Putins Spiel sehen als umgekehrt.

Theoretiker

Theoretiker

Viktor Orban schließlich wirkt im Vergleich zu den Genannten fast wie ein demokratischer Musterknabe. Was ich an ihm recht ungewöhnlich finde, ist sein ausgeprägtes theoretisches Interesse. Vor ein paar Jahren tourte er durch verschiedene Autokratien, um „zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren“. Offenkundig sieht er im autokratischen Regierungsmodell den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts. Er will die Welt fit für die Zukunft machen. Ein solcher theoretischer Ehrgeiz wäre sowohl Trump wie auch Erdogan und Putin fremd. Alle drei sind hauptsächlich daran interessiert, dass in ihrem Land bzw. Konzern alles zufriedenstellend läuft, und sie dürften kaum ein Problem damit haben, dass andere Länder anders regiert werden – solange ihnen daraus keine direkten Schwierigkeiten erwachsen. Orban aber will offensichtlich Trendsetter sein – Zukunftslabor, made in Hungary. Oder, wie ich vor Jahren einen ungarischen Botschafter sagen hörte: „Wir sind eine kulturelle Großmacht.“

Natürlich sind die Typen nicht so klar getrennt wie hier dargestellt. Natürlich ist Putin nicht von Eitelkeit frei und Trump nicht von Ressentiment. Natürlich gibt es auch noch mehr Typen. Natürlich kann ich mich auch in meinem Urteil täuschen. Mir scheint aber wichtig zu begreifen, dass es nicht nur eine Sorte Autokrat gibt. Inzwischen gibt es so viele, dass die Unterschiede klar zu Tage treten. Und diese Unterschiede werden die Weltpolitik auch 2017 entscheidend beeinflussen.

Wie sich die Apokalypse vor meinen Augen in Heu verwandelte

Auf tagesschau.de kann man heute bei den „Bildern des Tages“ ein Gemälde von Claude Monet sehen, das gerade für einen Rekordpreis versteigert wurde. Faul wie ich bin, hab ich die Bildunterschrift nur halb gelesen und mir lieber das Gemälde angeschaut: ein riesiger, apokalyptischer Berg, der vor grandioser Gebirgsszenerie aus impressionistischem Nebelmeer aufragte, ähnlich Dantes Läuterungsberg oder Pieter Brueghels Turm von Babel. Ein prophetisches, gigantisches Bild – ein maßloser Bergkegel, der um ein vielfaches größer war als der ohnehin schon beeindruckende Gebirgszug im Hintergrund! Welch imposantes Szenario! Welch grandioses Kunstwerk!

Der apokalyptische Berg von Claude Monet

Ich las die Bildunterschrift zur Gänze und erfuhr, dass das Bild »Meule« heiße und zu Monets Heuschober-Serie gehöre. In Sekundenschnelle schrumpfte der gigantische Berg um den Faktor tausend, aus Granit wurde Heu, und ich stürzte von meinem luftig-erhabenen Beobachterstandpunkt ernüchtert auf ein abgeerntetes französisches Stoppelfeld. Tant pis. Welch langweiliges, uninspiriertes Bild…

Dasselbe Material. Dieselben Formen. Dieselben Farben. Und dennoch ein völlig anderes Kunstwerk.

Günther Oettinger beim Scheitern zusehen: RTL II für Gebildete

Nun gut, den Literaturnobelpreis wird Günther Oettinger für seine Rede wohl nicht bekommen. Die Pointen zünden nicht, die Vortragsweise ist verdruckst, die ganze Rede mehr auf lustig getrimmt denn tatsächlich witzig.

Aber muss man wegen schlechter Literatur zurücktreten? Warum darf Martin Sonneborn in Brüssel ungestraft sein Unwesen treiben, Oettinger aber nicht? Nur weil Sonneborn seine gruppenbezogenen Gemeinheiten raffinierter und gekonnter verpackt?

Der Nationale Volkskongress

Der Nationale Volkskongress

Alle Welt echauffiert sich, weil Oettinger behauptet, die Chinesen hätten Schuhcreme auf dem Kopf. Wer sich Bilder des Nationalen Volkskongresses ansieht, wird die Charakteristisierung „alle Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt“ durchaus nachvollziehen können. Unter chinesischen Spitzenfunktionären gibt es tatsächlich eine bizarre optische Konformität. Wahrscheinlich benutzen sie sogar alle dieselbe Schuhcreme.

Natürlich sind nicht alle Äußerungen Oettingers so harmlos. Dass das chinesische Außenministerium über die Anapher „Schlitzohren und Schlitzaugen“ not amused ist, kommt wenig überraschend. Zumal unklar ist, worauf Oettinger überhaupt anspielt: hält er die Chinesen tatsächlich für „Schlitzohren“? Das kann ich mir kaum vorstellen. In den 1930er Jahren mochte das Klischee vom schmierig-schmutzigen, falsch lächelnden chinesischen Hinterhofgauner noch einen realen Hintergrund haben. Heute aber residieren die chinesischen Geschäftsleute, selbst die unseriösen, in Glaspalästen. „Schlitzohren“ als Armeleutewort ist da schlicht unpassend.

Ich vermute eher, dass Oettinger freudig-naiv auf das Wortpaar „Schlitzohren“-„Schlitzaugen“ stieß und beschloss (denn es sollte ja eine lustige Rede werden), das Begriffspaar einzubauen, ohne sich weitere Gedanken über die logische Konsistenz zu machen. Eine Pointe in der Lautgestalt, die inhaltlich nicht richtig aufgeht. Schade – aber, hey: der Mann ist kein Profi. Netter Versuch im Entertainment. Niemand kann alles können.

Was mich einfach nur nervt und stellenweise anekelt, ist die Selbstgerechtigkeit, mit der sich nun der politische Gegner über den gescheiterten humoristischen Amateur hermacht und seine Verdammung fordert. Ebenso nervt mich, dass das Vorgehen des Verlegers, der die Rede aus dem halbprivaten Raum gezerrt hat, fast nirgends problematisiert wird. Sicherlich handelt es sich bei der Veranstaltung des AGA Unternehmensverbands um eine halbprivat-halböffentliche Grauzone, und sicherlich ist es für den Verleger ein leichtes, den Abend als öffentlich zu klassifizieren und daraus das Recht – oh nein, die Pflicht! – abzuleiten, die dort gefallenen Worte ins Netz zu stellen. Und doch: die Veranstaltung war keineswegs so öffentlich, dass das chinesische Außenministerium eingeladen gewesen wäre mitzuhören. Es handelte sich um einen – nicht absolut, aber doch relativ – geschützten Raum. Diesen Raum hat der Verleger verletzt. Ich halte das zumindest für schlechten Stil.

Wenn in einer Gruppe über mich gelästert wird, dann möchte ich davon unbehelligt bleiben. Ich finde es okay, dass man über mich lästert, aber ich habe auch das Recht, von dem Geschwätz verschont zu bleiben. Leider gibt es immer wieder den „guten Freund“, der „im Vertrauen“ zu mir kommt, um mir empört zu erzählen, wie respektlos sich der Eduard über mich geäußert hätte („ich finde es wichtig, dass Du davon weißt“). Denunziant, Petze oder Intrigant nennt man solche Leute. Es sei denn, Eduard ist EU-Kommissar. Dann nennt man sie investigative Verleger.

Damit man mich nicht falsch verstehe: Wenn Eduard ankündigt, mich ermorden zu wollen, oder wenn er sich damit brüstet, mir systematisch Schaden zuzufügen, dann möchte ich selbstverständlich davon erfahren. Auch hier handelt es sich um einen schmalen Grat. Akzeptables Lästern und inakzeptable Feindseligkeit gehen nahtlos ineinander über. Umso mehr ist es eine Sache der Feinfühligkeit und des Anstands, zu entscheiden, welche Informationen man weitergibt und welche man taktvoll für sich behält.

In meinen Augen gab es überhaupt keinen Anlass, dass das chinesische Außenministerium von Oettingers misslungenem Satireabend erfährt. Oettinger ist kein Rassist. Das zu behaupten wäre absurd. Und wenn doch, dann ist jeder dritte Politiker ein Rassist, und dann geht es nicht um Oettinger. Hier wird einfach ein Mann in seinem Scheitern vorgeführt, und ganz Europa schaut zu. RTL II mit moralischem Überlegenheitsanspruch. Der Zeigefinger des Spießers auf die arme Sau, die es nicht geschafft hat, die Zwiespältigkeiten ihrer Existenz hinter einer undurchdringlichen Maske zu verbergen.

Man muss Oettinger nicht mögen. Man muss auch seine Lästereien nicht mögen. Aber man muss ihm, verdammt noch mal, das Recht zugestehen, mit seinen Sprechakten zu scheitern, ohne gleich sein Haupt zu fordern. Wenn es dieses Recht nicht mehr gibt – auch und gerade für Personen des öffentlichen Lebens – dann reden bald alle wie Angela Merkel. Unangreifbar, phrasenhaft und stinklangweilig.